Uns ist aufgefallen, dass die Berichterstattung ziemlich schnell aufhört. Hintergründe und Aufklärung erfolgen eher sporadisch – dafür gibt es umso mehr Spekulationen, Verschwörungen, Halbwissen, private Brandermittler und viele Gattungen mehr.
Deswegen richten wir uns heute direkt an alle, die sich für die Fakten, Hintergründe und die tatsächliche Brandursache interessieren.
Bereit?
Wir halten Legehennen in Freiland, um Eier zu produzieren. Wir haben 2 Ställe (1. Stall Baujahr 2012 und 2. Stall Baujahr 2018). Die Junghennen werden bei einem Aufzüchter bis etwa zur 16. Lebenswoche gehalten und kommen danach zu uns. In dem betreffenden Stall 1 haben wir am 07.10.2025 unsere neuen Hennen eingestallt. Die Hennen beginnen dann nach etwa 3-4 Wochen mit dem Eierlegen. Die Tiere bleiben etwa 15 Monate bei uns und werden dann ausgestallt, um geschlachtet zu werden. Zumeist werden sie zu Suppenhühnern oder anderen Lebensmitteln weiterverarbeitet. Dies ist bei allen Haltungsformen (Boden, – Freiland- oder Bio) gleich.
Aktuell leben etwa 45,3 Mio. Legehennen in Deutschland:
- 4,3% ausgestallte Käfighaltung – ab Ende dieses Jahres abgeschafft
- 57,7% Bodenhaltung
- 23,6% Freiland
- 14,3% Bio
Diese Zahlen entsprechen gleichlautend dem Kaufverhalten der Konsumenten.
Derzeit produzieren wir in Deutschland 72% der in Deutschland konsumierten Eier – 28% werden aus anderen Ländern importiert.
Alle unsere Tiere aus den Ställen 1 und 2 wurden auf Grund der Bedrohung durch die Geflügelpest durch eine behördliche Anordnung im Stall gehalten.
In diesem Zusammenhang wird der gesamte Hof als eine „Seucheneinheit“ bezeichnet; das bedeutet ganz konkret: Wird auch nur in einem der beiden Ställe die Geflügelpest nachgewiesen, so werden beide Ställe gekeult.
Unser Betrieb ist sowohl gegen die Geflügelgrippe als auch gegen viele andere Gefahren – inklusive Feuer versichert.
Wir beschäftigen insgesamt 13 Mitarbeiter bei uns auf dem Hof.
Rückschau zum Brand
Natürlich sind die Ställe mit Brandschutzkonzepten ausgestattet und behördlich abgenommen worden. Am Tag des Brandes haben wir jedoch gegen 7:45 Uhr bereits vor Meldung durch die Brandmeldeanlage gemerkt, dass es brennt, da wir nebelartigen Rauch aus einem der Schornsteine wahrgenommen haben. Wir haben umgehend die Feuerwehr gerufen, welche auch 8:30 Minuten später vor Ort war.
Leider musste auf 2 Drehleitern aus Oldenburg und Wildeshausen gewartet werden. Dies dauerte etwa 30 Minuten. Dies ist einfach der Entfernung und den Straßenverhältnissen geschuldet. Wir haben dann versucht, die Ausgangsluken zu öffnen, aber der Strom war ausgefallen. An dieser Stelle wäre es auch fraglich gewesen, ob die Tiere herausgekommen wären, da sie den Auslauf durch das seit Einzug in unseren Stall gültige Aufstallgebot noch gar nicht kannten. Zudem wurde uns von den Einsatzkräften versichert, dass sehr wahrscheinlich alle Tiere bereits an einer Kohlenmonoxidvergiftung verendet sei und dies erschien angesichts der Lage auch absolut schlüssig und nachvollziehbar.
Als der Brand dann weitestgehend gelöscht war und die Feuerwehr die hinteren großen Türen öffnete, kamen uns überraschend etwa 3.000 Tiere entgegen – davon viele absolut unversehrt. Daraufhin war uns klar, dass wir umgehend tierärztliche Unterstützung benötigen würden. Das Veterinäramt konnte auf Grund eines Falls von Geflügelpest im Landkreis nicht kommen. So organsierten wir 6 Tierärzte und 3 Jäger privat – das THW, unsere Angestellten und wir gingen in den Stall, um jedes Huhn herauszuholen, das noch lebte. Es waren schreckliche Bilder – und wir taten, was getan werden musste. Ein Tierarzt entschied, ob das Tier besser erlöst werden sollte, oder ob es in den provisorisch errichteten Stall gebracht werden kann. Zeitgleich bauten Nachbarn und Freunde diesen Stall auf einem vorderen Teil unseres Betriebs, während zwei Nachbarn mit Treckern und Anhängern die Tiere nach vorne transportierten. Unsere Kinder versorgten die Hennen mit Futter und Wasser.
Gegen 18 Uhr hatten wir alle Hennen– bis auf fünf sehr fitte und agile Tiere, die sich vehement gegen jegliche Rettung wehrten, eingesammelt. Alle Tiere (bis auf die fünf) haben wir am darauffolgenden Abend nach Göttingen in einen Mobilstall vermittelt- sie erfreuen sich bester Gesundheit. Den Kontakt hatte eine Mitarbeiterin über die sozialen Medien organisiert und die Abholung organsiert. Die letzten fünf Hennen haben wir an den folgenden Tagen gefangen und in gute Hände abgegeben.
Brandursache
Die Kriminalpolizei hat den Brandort am Sonntag gesperrt und ihre Ermittlungen aufgenommen. Am Montag, 03.11.2025, wurde er wieder freigegeben – mit der klaren Aussage „Fremdverschulden ausgeschlossen“.
Unsere Versicherung wollte es genauer wissen und schickte ihren Brandermittler zur weiteren Recherche. Dieser untersuchte den Stall zwei Stunden lang und fand ein Kabel, das werksseitig nicht korrekt isoliert war und den Brand ausgelöst hat. In einem solchen Fall kann die Brandmeldeanlage erst verspätet auslösen und der FI-Schalter wird nicht aktiviert.
Wie geht es weiter?
Die Aufräum- und Abrissarbeiten sind seit Freitag, 07.11.2025, in vollem Gange. Wir haben mit den Behörden gesprochen und wollen den Stall schnellstmöglich wieder aufbauen. Aktuell werden wir keinen Mitarbeitern kündigen, sondern versuchen, alle weiterzubeschäftigen und ihnen und ihren Familien Sicherheit zu vermitteln.
Für uns bleibt, dass wir ein sehr schmerzhaftes und trauriges Erlebnis verkraften müssen, wir aber unfassbar viel Unterstützung und Solidarität erhalten und erhalten haben.